Das zentrale Thema der von uns ausgewählten mystischen Dichtung ist die Beziehung zwischen dem Liebenden und dem Geliebten, dem Suchenden und der göttlichen Wahrheit. Das Ziel der Mystiker bestand darin, das begrenzende Ego hinter sich zu lassen und ihre Wesenseinheit mit Gott zu erkennen. So entstanden ihre Gedichte nicht aus dem denkenden Geist, sondern aus der lebendigen Herzenserfahrung. Manchmal drückten sie den Schmerz der Trennung, manchmal die unvorstellbare Glückseligkeit göttlicher Einheit aus. Oft wurden sie von ihren Zeitgenossen und den Schriftgelehrten nicht verstanden und angegriffen, weil sie freimütig lehrten, dass der Mensch einen direkten Kontakt mit der ewigen Wirklichkeit haben kann. Diese Dichtung kann uns jenseits des Intellekts durch ihren „Duft zwischen den Zeilen“ eine Ahnung des Unbeschreibbaren.